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Sind unsere Stillerwartungen zu hoch? – Von Stillterrorismus und Selbstzweifel

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Hier sitze ich nun und denke über das Stillen nach, angeregt durch einen Artikel den ich kürzlich gelesen habe. Beim besten Willen und Recherchieren weiß ich nicht mehr wo ich diesen Artikel gelesen habe, ich versuche ihn nachträglich zu verlinken. Jedenfalls, der springende Punkt ist dass ich mich darin so dermaßen stark wiedergefunden habe dass mich die Thematik nicht mehr loslässt. Darin ging es um den Druck den sich Mütter selbst machen wenn das Stillen nicht funktionieren will. Weiters dass keine Frau sich wie eine Versagerin fühlen sollte weil sie die schwere Entscheidung trifft das Fläschchen zu geben (selbst Frauen die Stillen könnten sollten sich nicht für die Entscheidung verteidigen müssen die Fasche zu geben).

Ich stimme dem voll und ganz zu, nachdem ich mich selbst schlecht gefühlt habe, mir Vorwürfe gemacht habe und mich selbst unter enormen Druck gesetzt habe. Mal abgesehen von meinem Umfeld und des gesellschaftlichen Stillterrorismus der zur Zeit herrscht. Die Entscheidung zu Stillen habe ich in dieser Art gar nie getroffen, es war selbstverständlich – es war selbstverständlich schon lange vor meinem Kinderwunsch. Stillen ist das was die Natur für uns Frauen vorgesehen hat, also „wie schwer könnte das sein“, dachte ich.

wenn es nicht sein soll

Nach einer anstrengenden Geburt (welche ist das wohl nicht?) hatte ich erwartet dass das Kind ganz easy andocken wird und wir sind alle zufrieden. Ich hätte mit meinen Erwartungen gar nicht weiter weg von der Wahrheit sein können als ich es war. Ich dachte ich war mit angeeignetem Wissen im Überfluss gewappnet und so sehr ich auch von unserer wunderbaren Hebamme unterstützt wurde, am Ende haben die ersten wichtigen Tage im Krankenhaus einfach den Milcheinschuss unterbrochen, denn da wurde man sehr unzureichend unterstützt.

Noch während meines stationären Aufenthaltes merkte ich dass unsere kleine Tochter ständig Hunger zu haben scheint, ich merkte dass beim Stillen irgendetwas nicht stimmt aber als Erstlingsmama ist es schwierig einzuschätzen was denn nun nicht stimmt und das Krankenhauspersonal versicherte mir, wenn ich sie öfter anlegen würde, würde sie auch satt werden. Ich verfiel psychisch und lief apathisch und weinend durch die Gänge denn weder mir noch jemand sonst war aufgefallen dass die kleine Ananas nicht trank sondern lediglich nuckelte. Meine Milch wurde immer weniger und man zwang mich mein Kind zuzufüttern. Ich rutschte in ein tiefes Loch der Selbstzweiflung denn jedes Mal wenn ich dann nach einem Fläschchen fragte um das Baby satt zu bekommen bekam ich vorwurfsvolle Fragen in einem furchtbaren Ton an den Kopf geworfen wie:“Ja habens überhaupt schon zu Stillen probiert?“

Selbst wenn ich es nicht probiert hätte, sollte es mir frei stehen mich für Prenahrung zu entscheiden ohne mir blöde Kommentare anhören zu müssen.

was nun

Mir wurde eine Milchpumpe für zuhause nahegelegt und verschrieben. Also legten wir von nun an 7 Wochen lang immer an, anschließend bekam die Kleine ein Fläschchen und dann habe ich noch abgepumpt. So wurde jede Mahlzeit zur Tortour für mich und das Baby und dauerte so lange dass ich kaum zur Ruhe kam. Ich war ausgelaugt und kaum mehr fähig die erste, so unglaublich schöne und wichtige, Zeit mit meiner Tochter zu genießen. Schließlich als ich zur Wochenbett-Kontrolle bei meiner Frauenärztin war, fragte sie mich warum ich mir das antue und warum ich mir nicht selbst verzeihen kann dass das Stillen einfach nicht funktionieren will. Ihre Worte hallten noch lange in mir nach und traf die Entscheidung abzustillen.

Sätze wie „Ach ihr armen, müsst ihr noch immer zufüttern“ oder „Funktioniert es denn noch immer nicht?“ und „Da machst du irgendwas falsch“ oder aber auch „Also wenn man sich genug mühe gibt, dann schafft man das auch“ stießen mir so sauer auf und drückten mich so runter, ich war froh sie fortan nicht mehr hören zu müssen. Und ich kann ruhigen Gewissens sagen, seit ich meine Entscheidung getroffen habe weder mich noch unsere Kleine mit dem Stillen zu quälen, sind wir hier alle viel entspannter. Wir genießen die Zeit wertiger miteinander und auch der Nordmann kann aufatmen denn meine Nervenzusammenbrüche und Heulattaken haben ihm sehrwohl stark zugesetzt auch wenn er mich dies nie spüren ließ. Danke dafür! Danke dafür dass er mich stets wo er nur konnte unterstützt hat bei meinem verzweifelten Versuch das stillen doch noch hinzubiegen.

gute mutter

Jetzt 8 Monate nach der Geburt und mit meinem erlebten würde ich Frauen raten es zu versuchen. Stillen ist so innig und schön, kein Wunder dass wir das wollen. Was ich aber jeder Frau ans Herz legen möchte ist, abzuwägen ob sich ein verlorener Kampf mit Milchpumpen, Tees und sonstige Mittel lohnt. Denn was sich definitiv am meisten lohnt ist eine innige und wertvolle Zeit mit dem eigenen Kind. Es ist keine Schande auf Prenahrung umzusteigen und lasst euch bloß keine Vorwürfe machen (diese kommen unterschwellig und tun umso mehr weh wenn man sie an sich ran lässt). Du bist eine gute Mutter weil du das Beste für dein Kind willst! Es ist besser glücklich zu sein während dein Baby satt ist anstatt sich mies zu fühlen weil man es nicht ausschließlich mit Muttermilch ernähren kann. Dein Kind hat mehr davon wenn es dir als Mutter gut geht!

An diesem Punkt der Reise „Kind“ haben wir Frauen so viel durchgestanden. Schwangerschft, Geburt,…  dass es an der Zeit ist uns selbst mal auf die Schulter zu klopfen denn was wir leisten ist wunderbar.

deinem kind geht es gut

Das aller wichtigste am Ende des Tages ist, deinem Kind geht es gut! Dein Kind wird geliebt und dein Kind ist glücklich und geborgen. Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder und tuen alles was in unserer Macht steht, deshalb geht es ihnen gut!

Erzählt mir von eurer Stillgeschichte und eurer Erfahrung mit dem Thema 🙂

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Ein Kommentar zu „Sind unsere Stillerwartungen zu hoch? – Von Stillterrorismus und Selbstzweifel

  1. Du schreibst das als hättest du es aus meinem Kopf geklaut!

    Wir hatten einen ähnlichen Start. Zwar hätte sich die Maus alle Mühe gegeben aber ohne richtigen Milcheinschuss wird’s halt schwer. Mir wurde zur Geduld geraten immerhin sei dies nach einem Kaiserschnitt ganz normal (meine Hormone übersetzten dass dann mal so: Du bist nicht in der Lage dein Kind natürlich zu bekommen und jetzt kannst du es nicht mal ernähren).
    Die Folge waren Stillberatung, Stilltee, Bockshornkleesamenkapseln, Stillöl, Alle zwei Stunden Milchpumpe. So kann auch ein Tag vergehen. Immer mehr rutschte ich ab und ich weiß gar nicht mehr wer in den ersten Monaten mehr heulte. Mein „Geburtstraumatisiertes“ Baby oder ich?
    Dann kamen ganz üble Koliken dazu. Wieder wurden beschwichtigende Worte gefunden. „Das kommt vom zufüttern. Viele Babys vertragen Pre nicht.“ (Meine Hormone wieder…. Dein Kind hat deinetwegen Schmerzen also stell dich nicht so an)
    Ich danke heute noch der Stillberaterin die mich ermutigt hat einfach die Flasche zu geben. Auch wenn ich noch lange mit mir selbst gekämpft habe und nicht mit diesen unterschwelligen Kommentaren umgehen konnte so war das die beste Entscheidung die ich für uns treffen konnte.

    Jedes mal wenn ich eine neue Packung „Babyfutter“ öffne und mir der Absatz ins Auge sticht in dem irgendwas von wegen „wenn sie nicht stillen kann das finanzielle und soziale Folgen haben“ steht melden sich die Hormone wieder und übersetzen…… „Das wird dein finanzieller Ruin und alle finden du bist……………“ keine Ahnung wie der Satz weitergeht. Das ist dann der Moment in dem ich mich zurücklehne und das Leben genieße 😉

    So viel zu uns

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