Motherhood, Preggo Diaries

Preggo Diaries // 12 Wochen – Die kritische Zeit

Ach was haben wir uns bloß gefreut als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten, wie sehr hatten wir uns doch diesen Moment herbeigesehnt. Ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre als wir uns heulend in die Arme fielen und es kaum glauben konnten was wir da am 04.09.2016 in unseren Händen hielten. Vollkommen aus dem Häuschen vereinbarten wir also einen Termin zur Bestätigung von unserer Ärztin. Also erschienen wir in der 6ten SSW zum Termin und anstatt eines Mutter-Kind Passes kam die ernüchternde Aufklärung dass es diesen erst in der 12ten SSW gibt denn bis dahin kann man das Kind noch verlieren, passiert eben.  Das gab uns einen mächtigen Dämpfer aber wir konnten ja nichts tun außer positiv bleiben.

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In der 8ten SSW gab es dann eine Verlaufskontrolle und da bei dieser alles einen guten Eindruck machte gab mir die Ärztin schon eine Bestätigung für den Dienstgeber mit. Hach das war für mich so ein schönes Gefühl dass ich gar nicht lange darauf warten konnte es in der Arbeit bekannt zu geben und die ehrliche Freude meiner Kollegen machte es umso schöner. Unter Anderem einer der Gründe warum ich den verrückten Haufen in der Karenz so sehr vermisse.

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Die Tage vergingen und ich freute mich immer mehr und stellte mich immer mehr darauf ein dass nichts mehr schief gehen würde. Als ich plötzlich in der 10ten SSW Blutungen bekam erstarrte ich regelrecht. Ich war in der Arbeit und kurz davor nahm ich noch Glückwünsche an, erzählte wie ich von einem Tag auf den anderen zum Nichtraucher wurde und beklagte dass mir Kaffee nicht mehr schmeckt, als ich bei einem kurzen Toilettengang die Blutung bemerkte. Ich befand mich in einen Tunnel, konnte nicht klar denken und handelte nicht rational sondern automatisiert. Ich meldete mich bei meinem, sehr verständnisvollen, Vorgesetzten ab und stürmte in das diensthabende Aufnahmekrankenhaus. Dort wurde ich direkt auf die Gynäkologie geschickt wo ich erst Harn abgeben musste und zur Blutabnahme geschickt wurde. Mir wurde gesagt alsbald meine Blutergebnisse da sind, werde ich begutachtet. Außer mir im Warteraum noch 2 Frauen – super, dann kann es ja nicht lange dauern dachte ich. 4 Stunden später war ich ein nervliches Wrack, noch immer nicht dran gewesen und noch immer blutend. Mein liebster Nordmann und meine Mama waren ins Krankenhaus gekommen und standen an meiner Seite, wären sie nicht gewesen hätte ich den Verstand verloren.

Endlich die Untersuchung, keine Blutungsquelle zu sehen, die Ärztin vermutet ein geplatztes Gefäß. Dem Baby geht es gut. Ich soll mich schonen.

Einen Tag später, es ist mitten in der Nacht und ich bemerke eine neuerliche Blutung. 4:00 morgens – wir fahren ins Krankenhaus, in meinem Kopf dreht sich das Gedankenkarussell und will nicht aufhören. „Bitte kleines Krümelchen, bitte bleib bei uns“, wiederhole ich in meinem Kopf als könnte das kleine Zellhäufchen meine Gedanken lesen oder gar verstehen. Wieder nach dem Prinzip des diensthabenden Krankenhauses sind wir jetzt in Krankenhaus Nr. 2. Komme gleich dran, dem Baby geht es gut, keine Blutungsquelle ersichtlich, ich soll mich schonen. Meine Nerven sind am Ende.

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Zwei Tage später, es ist Freitag Nachmittag und ich habe leichte Schmierblutungen. Ich versuche ruhig zu bleiben, die Ärztin meinte ich solle nur ins Krankenhaus fahren wenn es richtig blutet. Abends 10:00 neue Blutung, stärker als alle vorherigen. Wieder nach dem Prinzip des diensthabenden Krankenhauses fahren wir nun in Krankenhaus 3 – Sogar ein Krankenhaus mit Fachgebiet Geburt- und Frauenheilkunde. Muss eine Stunde warten. Ich erkläre dem Arzt warum ich hier bin, was die letzten 2 Ärztinnen sagten und wie oft ich schon Blutungen hatte. Dann kam das was ich nie im Leben erwartet hätte. Er sagte mir dass ich eben mein Kind jetzt verlieren könnte und „Hören Sie auf mit dem ständigen Krankenhaus gehen denn wenn Sie jetzt das Kind verlieren kann Ihnen sowieso keiner helfen“. Ich war so perplex und sprachlos wie ich es in meinem ganzen Leben noch nicht war und traurig so zu tiefst traurig in diesem Moment. Man sah es mir an denn die anwesende Krankenschwester sah mich sehr mitleidig an. Er bat mich schnaufend an den Untersuchungsstuhl, dort verkrampfte ich in dieser unangenehmen Situation in der man mir erklärte ich würde gerade mein Kind verlieren. Das Verkrampfen empfand besagter Arzt als Untersuchungsverweigerung. Seine genauen Worte „Na wenns die Untersuchung verweigern was I ah ned wos ‚Se do wolln“ Ich konzentrierte mich und riss mich am Riemen – keine Blutungsquelle ersichtlich. „Woin jetzt an Ultraschall ah no haben oder was?“, war daraufhin sein aufmerksames Angebot und ich war schon so angespannt und belastet von dieser gesamten Situation dass ich unter Tränen darum bat. Er solle bitte nachsehen ob es meiem Kind gut ginge. Ja dem Baby ging es gut. Aber mir nicht. Ich wischte mir die Tränen ab, bedankte mich absurder Weise bei dem Arzt und ging raus wo der Nordmann bereits bangend auf mich wartete. Vorerst erzählte ich ihm nichts davon was passiert war denn ich hatte Angst er würde was dummes tun und ein Szene machen – und in diesem Krankenhaus stand leider die Entbindung an.

Als wir das Krankenhaus verlassen hatten und auf dem Weg zum Auto waren, brach es jedoch aus mir heraus und ich brach auf der Straße zusammen. Vor Freude dass es unserem Krümel gut ging, vor Wut dass ich so mit mir umgehen ließ, vor Enttäuschung dass solche Leute an Patienten losgelassen werden, vor Machtlosigkeit weil ich der Situation und diesem Arzt so ausgeliefert war.

Liebe Leser, es fällt mir außergewöhnlich schwer diese Geschichte mit euch zu teilen und am liebsten würde ich sie tief unter den Teppich kehren um selbst eines Tages das Gefühl zu haben als sei mir das nie passiert aber das ist es. Ich fühlte mich allein gelassen mit meinen Sorgen und ich fühlte mich bei der letzten und schlimmsten Blutung auf keinen Fall gut aufgehoben vom medizinischen Personal. Es waren die schlimmsten Wochen meines Lebens, aber sie gingen vorbei. Als hätte unser Krümel meine Stoßgebete gehört, als hätte es gespürt wie schlecht es mir in dieser Nacht ging, als hätte sich dieses kleine Zellhäufchen entschuldigen wollen, blieb dies die letzte Blutung.  Als wir in der 12ten SSW endlich unseren Mutter – Kind – Pass bekamen, da erklärte mir unsere Frauenärztin dass dies rückwirkend betrachtet wahrscheinlich Einnistungsblutungen waren. Unser Krümel hat es sich bequem gemacht um zu bleiben.

Signatur

9 Gedanken zu „Preggo Diaries // 12 Wochen – Die kritische Zeit“

  1. Es tut mir leid, dass es dir so ergangen ist. Bei uns hatte ich nicht mal während der Geburt e in gutes Gefühl was die Kompetenz des Personals angeht und der Umgang mit uns war auch so, dass ich heim bin obwohl ich nicht mal stehen konnte. Es ist einfach eine Frechheit, dass die Ärzte mit sowas durchkommen, in keinem anderen Beruf würde man ein solches Verhalten akzeptieren. Kennst du Roses Revolution? Darf ich dort deinen Artikel teilen? https://m.facebook.com/home.php?_rdr#!/profile.php?id=743699719041757&ref=content_filter

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    1. Liebe Dalia! Nein ich kannte diese Seite bisher nicht und bin gerade wirklich positiv angetan dass es sowas gibt! Gerne darfst du diesen Beitrag teilen denn er passt sehr gut wie ich finde. Es tut mir leid dass du dich während deiner Geburt nicht wohlgefühlt hast, ich kann das schmerzlich nachempfinden denn während meiner anschließenden Geburt fühlte ich mich auch alles andere als gut aufgehoben und vor allem in der Nachbehandlung wurde viel gepatzt (dazu kommt noch ein Beitrag) Danke Danke Danke für dein Feedback und deine netten Worte!

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      1. Übrigens ist es nie zu spät einen Brief an die Patientenvertretung zu schreiben. Mein Mann hat das gleich gemacht, ich sechs Monate später. Je mehr Leute das machen, desto eher kommt es wirklich an, und es ist auch irgendwie gut für die eigene Psyche.

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  2. Dieser Arzt! Allein beim Lesen bekomm ich schon eine richtige Wut! Tut mir sehr leid, dass du sowas durchmachen musstest. 😦

    Haben auch unsere Erfahrungen mit sozial unfähigen Krankenhausangestellten machen müssen. Kann das also nur zu gut nachvollziehen.

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    1. Danke für die lieben Worte. Sich mit dem Blog selbsttherapieren ist wirklich Balsam. Ich habe das Gefphl die soziale Unfähigkeit beom Krankenhauspersonal wird durch Betriebsblindheit verstärkt.

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  3. Das klingt wirklich schlimm! Leider kann man in so einem frühen Stadium wirklich nichts machen, wenns nicht bleiben will, aber trotzdem muss ein Arzt so etwas einfühlsam und empathisch vermitteln. Und wie man sieht ist die Angstmacherei ja oft ganz einfach unnötig.

    Ich hab übrigens meine beiden MuKiPässe in der 9. und in der 11. SSW, jeweils beim ersten Termin gleich gekriegt. Hör ich zum ersten Mal, dass man da bis zur 12. SSW warten muss.

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    1. Natürlich wusste ich dass man im worst case nichts machen kann aber man kann verängstigte Frauen mit Blutungen nicht so behandeln. Es geht um den Umgang. (Seit veröffentlichung des Beitrages habe ich in Gesprächen mit lesern viele Leidensgenossinen gefunden 2 sogar vom selben Arzt diese Behandlung erfahren haben). Menschluchkeit und Mitgefühl sind egal in welchem Fachgebiet nicht zu viel verlangt wie ich finde.

      Also mir wurde damals erklärt dass der MuKi Pass spätestens bis zur 16SSW ausgestellt wird und die meisten GYN ihn erst nach der kritischen phase der ersten 12 Wochen hergeben (sowie meine Ärztin), die Bestätigung für meinen Dienstgeber habe ich schon in der 8. SSW bekommen. Da wird ihn einfach jeder Arzt anders rausgeben, die meisten Freundinen die ich habe haben ihn ebenfalls erst in der 12. SSW bekommen aber so wie auch du haben ihn manche früher bekommen das stimmt.

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