Motherhood, Preggo Diaries

Preggo Diaries // Geburtsbericht

– Die Melone muss durchs Nasenloch.

Knapp 7 Wochen ist die Geburt nun her und so lange überlege ich ob ich einen Bericht dazu schreiben soll wie meine Bloggerkolleginnen. Nachdem die meisten mitschwangeren Mamis auf Instagram und co. nun auch ihre Würmchen bei sich haben und ich somit einige an unterschiedlichster Erlebnisberichte gelesen habe, habe ich mich nun doch dazu entschieden. Vorab sei gesagt dass dies ein ganz subjektiver Bericht ist. Alle Geburten sind unterschiedlich und jede Frau empfindet zum Glück anders.

001

Ich hole ganz weit aus, nämlich damit dass unsere kleine Tochter beschlossen hat etwas länger in muddis Bauch zu bleiben als erwartet. Am Donnerstag den 18.05. hatten wir daher eine Kontrolle im Krankenhaus um zu sehen ob es der kleinen Maus auch noch immer gut geht, schließlich befanden wir uns da schon bei ET +5. Ich weiß noch als ob es gestern wäre wie ich dem Arzt ganz stolz erzählte ich hatte die Nacht zuvor 4h lang ganz ganz schlimme Wehen und diese schon im 5 Minuten Abstand aber ich hätte sie gut veratmet. Ja klar, Wehen…. mittlerweile weiß ich es ja besser. Er wusste es schon damals besser und meinte nur grinsend „Na dann geht es ja bald los“.

001

An diesen Tag haben wir noch gemütlich bei meiner Mama gefrühstückt und Kaffee getrunken, sind ein bisschen flaniert. Nichts aufregendes. Ich kann mich noch erinnern wie beschwerlich meine Kugel schon war, gehen war kaum mehr schaffbar. An diesen Tag schlief ich sogar aussergewöhnlich früh ein vor Müdigkeit. Um 04:00 Morgens riss es mich aus dem Schlaf – eine Wehe, eine richtige. Ich erschrak so sehr dass ich aufschreien musste anstatt zu veratmen. Ich brauche wsl. nicht zu erwähnen dass daraufhin der Nordmann sofort wach war. Als die Wehe vorbei war, fing ich an mich zu fragen ob das jetzt schon eine echte war oder ob das stärkere Senkwehen waren. Da rollte auch schon die zweite Welle an Schmerz über mich und ich war mir sicher – es ist soweit, jetzt kommt unser lang ersehntes Kind.

001

Im Geburtvorbereitungskurs hieß es man solle so viel Zeit wie möglich zuhause verbringen, da würde man sich wohler fühlen und die Zeit würde gefühlt schneller vergehen. Also beschloss ich mich noch in die Badewanne zu legen. Und so stieg ich in die Wanne und alsbald meine Zehen das warme Wasser berührten übermannte mich wieder eine Wehe und ich schrie dem Nordmann wir würden auf der Stelle ins Krankenhaus fahren. Zu diesem Zeitpunkt war er schon lange Startklar weil er seine Frau gut kennt und wusste dass ich es lange nicht aushalten würde. Also nichts mit Entspannungsbad. Aber eins ließ ich mir nicht nehmen, den Eyeliner nachzuziehen. Ich war in solch einen Tunnel vor Schmerzen, es erschien mir nötig und vor allem sinnvoll ansehnlich zu sein. (Der Eyeliner von heute ist das Smokey Eye von morgen!!!) Bin auch nicht im Pyjama los sondern mit Seidenbluse. Wir starteten also dann Richtung Krankenhaus und unterwegs waren einige Wehen zu veratmen – wobei ich sie stattdessen hollywoodmäßig verschrie.

003Um 05:00 im Krankenhaus angekommen kamen wir erst in sowas wie ein „Vorzimmer“. Da wurde erst mal ein CTG geschrieben und ich habe schon zu diesem Zeitpunkt skandiert man solle den Anästhesisten verständigen er soll zum PDA/Kreuzstich legen kommen. Die Hebamme vertröstete mich wir machen erstmal das CTG fertig und im Anschluss würde sie schauen wie weit der Muttermund offen sei denn bevor wir 3cm erreicht haben, bekomme ich keine PDA. Ich lag also da und veratmete heftige Wehen alle 2-3 Minuten und hoffte dass die halbe Stunde bald geschafft sei. Dann kam wie besprochen die Muttermundkontrolle – BÄM, wir waren bei 3cm. Ich skandierte wieder um eine PDA, schließlich hatte ich alle Voraussetzungen erfüllt und somit meinen Part der Vereinbarung eingehalten. Wieder wurde ich vertröstet man würde mir erst ein Kreißzimmer zuteilen und mich einquartieren, zwischen Tür und Angel legt man ja keine PDA. Okay, gut von mir aus. Kann ja nicht so lange dauern. Im Kreißsaal angekommen hörte ich mich schon wie eine kaputte Schallplatte an: „Können Sie bitte dann den Anästhesisten anrufen?“. Wieder leere Worte, Man müsse mir sowieso vorher noch einen Venflon/Zugang legen und eine Infusion Flüssigkeit geben bevor ich eine PDA gelegt bekommen kann. Hmpf – Ich wusste es, der Nachtdienst hat keinen Bock kurz vor Dienstschluss, deshalb wurde ich vertröstet. Es war mittlerweile kurz nach 6:00 und mir war bewusst vor Schichtwechsel um mindestens 7:00 wird nichts passieren. Die Hebamme versuchte mich für ein Bad zu begeistern und kurz zog ich es auch in Betracht bis die nächste, noch stärkere, Wehe angerollt kam. Ich wurde schon sauer und motzte: „Nein, nein, nein. Wir vergessen das Bad! Ich will die PDA – Jetzt!“.

004.jpgAlso bekam ich meinen Zugang und man schloss mich an den Tropf, da war es ca. 06:30. Mir fiel ein dass der Ehemann einer Freundin in diesem Krankenhaus an der Anästhesie arbeitet also schrieb ich ihr eine SMS wenn er Dienst hat solle sie ihn bitten mir die PDA zu legen da ich sonst ungewiss lange darauf warten muss.

Die Zeit verging, ich pöbelte mittlerweile schon die zweite Hebamme an wegen der PDA, ja denn auch die Hebammen hatten schon ihren Dienstwechsel gehabt und so würde ich den restlichen Tag mit V. verbringen. Eine junge, äußerst nette und ruhige Hebamme die mich allerdings auch nur vertröstete. Man schickte mir dann nur noch Studentinnen zum Werte kontrollieren da ich bei jeder Gelegenheit meinem Ärger über die Warterei mächtig Luft machte bis um 08:00 endlich H. rein kam (der Mann meiner bereits erwähnten Freundin). Der Nachtdienst hatte ihm gerade übergeben ‚er hätte da noch eine für eine PDA‚ – genau wie ich es vorhergesagt hatte.

Also PDA gelegt, Schmerzpumpe angeschlossen. 4 lange Stunden Wehen alle 2-3 Minuten waren geschafft. Ich entspannte sehr schnell. Es folgten regelmäßige Kontrollen des Muttermundes und der Vitalparameter. Durch das Schmerzmittel hatte ich kein Zeitempfinden mehr und die nächsten 10 Stunden vergingen wie im Flug. Ich versuchte zu schlafen aber das ging nicht wirklich also lag ich die meiste Zeit nur so da. Der Nordmann die ganze Zeit an meiner Seite. Der einzige Nachteil der PDA war dass ich nicht mehr pinkeln konnte, also musste man mich diverse male kathetern. Mit voller Blase gebärt es sich schlecht wurde mir erklärt.

005.jpg

Ca. um 16:00 wurde mir erklärt man würde jetzt das Schmerzmittel ausschleichen lassen denn mein Muttermund war schon bei 9-10cm somit müssten wir nur noch darauf warten dass sich das Köpfchen senkt und würde ich die anschließenden Presswehen nicht fühlen, würde ich ja nicht wissen wann zu Pressen ist. Das klang alles verdammt logisch und 4h Wehen hatte ich ja am Morgen schon geschafft also traute ich mir das vorerst mal zu und machte mir nicht groß Sorgen

17:00 wird es ungefähr gewesen sein (ich muss im nachhinein die Uhrzeiten schätzen da ich jedes Zeitgefühl verloren hatte) als ich merkte die Wehen am Morgen wären mir jetzt lieber als das was sich anbahnte. Nicht nur unglaublicher Schmerz sondern primär ein unbeschreiblicher Druck auf das gesamte Becken und den Darm. Mit den Qualen kam auch das irrationale in mir hoch und ich fing sinnbefreite Diskussionen mit der Hebamme an. Ich will jetzt Schmerzmittel, Lachgas, einen Kaiserschnitt. Stattdessen bekam ich einen Wehentropf verpasst damit es schneller geht. Dementsprechend doller wurden der Schmerz und der Druck. Jetzt wurde ich nicht nur irrational sondern auch aggressiv in meiner Entschlossenheit einen sofortigen Kaiserschnitt zu verlangen. An dieser Stelle möchte ich betonen wie leid mir die verbalen Entgleisungen leid tun. Ich gelobe Besserung für die nächste Entbindung.

006.jpg

Es wird mittlerweile ca 18:00 gewesen sein und unsere Hebamme V. wusste nicht mehr mit mir umzugehen und holte sich Verstärkung von einer älteren und erfahreneren Hebamme die mit ihrer Art mit mir zu reden noch mehr Aggressionen in mir weckte und ich somit umso entschlossener die Diskussion fortführte. Der Nordmann saß  an meinem Bett und mischte sich vorerst nicht ein bis sich die geholte Unterstützung zu ihm lehnte und wie zu einem kleinen Kind sagte: „Sprechen Sie Deutsch?“. Liebe Leser, ich nenne den Nordmann, Nordmann weil er groß, blond, blass und blauäugig ist. Ausgerechnet diese Person auf ihre Deutschkenntnisse anzusprechen, nur weil er seiner Frau nicht reinquatscht sondern still dasitzt, war die Höhe und ich explodierte endgültig. Sie entschuldigte sich halbherzig und sagte V. sie solle den Wehentropf höher aufdrehen. „Niemand dreht hier irgendetwas auf!“, schrie ich durch den Raum und so blieb mein Tropf auf vorheriger Geschwindigkeit. Die mit Anlauf ins Fettnäpfchen gesprungene Hebamme, die nur Wirbel reingebracht hatte, traf nun eine Weise Entscheidung und verließ den Raum. Sie war auch bei der Späteren Geburt nicht mehr anwesend. Sie schickte offensichtlich nun einen Arzt rein um mich zu beruhigen.

Ein junger Doktor kam rein und fragte V. auf was wir hier noch warten würden. Sie erwiderte dass das Köpfchen noch 1cm rutschen müsse, ansonsten seien wir startklar. Er warf einen kurzen Blick auf die Lage, tastete mich ab, sah mich anschließend an und sagte: „Na daunn probier mas. Bei der nächsten Wehe pressen Sie.“ Ich konnte es nicht glauben und nachdem auf meiner Nachfrage hin, ob ich wirklich pressen dürfe, nochmals die Bestätigung des Arztes kam, ging es los.

007.jpg

3 Wehen, 3 x Pressen und sie war da. Damit dass ich sie so schnell rauspresse hatte wohl auch der Arzt nicht gerechnet aber ich hatte absolut keine Lust auf eine 4te Wehe. Ich weiß noch wie ich dachte: „Es reicht mir jetzt“, und daraufhin gar nicht mehr auf die Anweisungen wartete sondern einfach presste (Dem habe ich wsl. meine Geburtsverletzungen zu verdanken). Die Nachwehe für den ganzen Schnodder der noch raus musste habe ich nicht gespürt, auch pressen musste ich nicht – es lief einfach raus. Auch die Verletzungen habe ich nicht gespürt und war ganz verwundert als der Arzt mir mitteilte dass wir noch Nähen müssen.

_MG_7096_01.jpg18:54 kurz vor dem nächsten Dienstwechsel der Hebammen und nach 16h war sie da. Unser kleines Wunder, dieser kleine Mensch auf den wir schon so lange warteten. Plötzlich war sie da und plötzlich lag sie in meinen Armen und alles, wirklich jede einzelne Strapaze der Schwangerschaft sowie der Geburt war vergessen. Wir waren erfüllt von Liebe, Freude und Erleichterung. Der Nordmann durfte anschließend die Nabelschnur durchschneiden und wenn das für ihn ein großer Moment war, so war er das auch für mich. Bevor wir zum krönenden Abschluss noch ca. 2h zu dritt kuscheln durften, wurden noch meine Geburtsverletzungen versorgt. Ja ich bin nicht ohne davon gekommen. Aber wer das Kind mit 3x Drücken raushaut weil er keinen Bock mehr hat, der muss da durch.

 

Danke fürs Lesen dieser langen Story.

 

002 xoxo

7 Gedanken zu „Preggo Diaries // Geburtsbericht“

  1. Ein toller Bericht! Schön dass alles gut gegangen ist und ihr beide die Strapazen gut überstanden habt….
    Du hast das so lebendig geschrieben – ich sitz grad im Büro, mach Pause und konnte nicht anders als Tränen zu Lachen weil es teilweise dann richtig absurd wird (natürlich kann ein Mann der weiß wann Schweigen besser ist, unsere Sprache nicht XDDD)

    Gefällt mir

  2. Hey, ich lese das jetzt erst!
    Wie schön, ich komme auch vor. 🙂
    Schöne Bilder, das Glück ist deutlich sichtbar.

    Liebe Grüße von Pippilotta, die die Ananas samt Mama wieder einmal sehen muss

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.